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«Genussmittel»

Die Ausstellung veranschaulicht, wie Produkte in historischen Plakaten ins Licht gerückt und beworben wurden. Sie lässt uns über den Begriff «Genussmittel» im Allgemeinen, aber auch über seine unterschiedliche Interpretation in verschiedenen Epochen und Kulturräumen nachdenken.

Frau Nico Lazúla Baur, Dokumentarin Plakatsammlung im Museum für Gestaltung, erklärt in einem kurzen Interview, wie sich die Definition der Genussmittel entwickelt hat und zeigt die Historie des Kaffeekonsums auf. Insbesondere die Plakate von Maja Allenbach haben bei dieser Ausstellung Pionier-Charakter.

Hier geht's zum Interview

Wann wird von Genussmitteln gesprochen?

Die Definition der Begriffe Genuss-, Rausch- und Suchtmittel ist sowohl kulturell als auch weltanschaulich-religiös beeinflusst und unterscheidet sich je nach soziokulturellem Kontext und historischer Epoche. Tabak beispielsweise gilt erst seit den 1950er-Jahren in Europa als Suchtmittel, während Jahrhunderten wurde er als Genuss- oder gar als Heilmittel angesehen. Ein anderes Beispiel: Bier hatte bis in die jüngste Vergangenheit als «flüssiges Brot» einen wichtigen Status neben dem Brot.

Seit wann wird in Europa Kaffee getrunken?

Reiner Bohnenkaffee wurde in Europa erst seit dem sogenannten «Wirtschaftswunder» der 1950er-Jahre zum alltäglichen Produkt. Vorher war es ein teures, exotisches Luxusgut, dessen Konsum im bäuerlichen Kontext als unangemessen galt. Bis zum 2. Weltkrieg wurde mehr als die Hälfte des Kaffees in Form von Kaffeeersatzprodukten konsumiert.

Neben Importschwierigkeiten, der Postulierung der Schädlichkeit des Kaffees und der hohen Preise für arabischen Kaffee führte auch die wachsende Anzahl an ArbeiterInnen und ihre stark veränderten Lebensumstände zu einer massiven Ausbreitung der Kaffeeersatz-Industrie. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren Kartoffeln, Branntwein und Kaffee resp. Kaffeeersatz die klassische Trilogie einer ärmlichen, aber rasch verbreiteten ArbeiterInnen-Nahrung und halfen langen Arbeitszeiten zu überwinden.  Um die Volksgesundheit zu fördern, wurden sogenannte «Gesundheitskaffees» wie Malz-, Roggen- oder Feigenkaffee eingeführt.

Welche der vorgestellten Plakate haben einen speziellen Pionier-Charakter?

Ein spezielles Augenmerk darf auf die Plakate von Maja Allenbach geworfen werden. Sie ist heute leider weitgehend unbekannt, ist aber eine frühe Pionierin des Fotoplakats in der Schweiz. Maja Allenbach sorgt mit der Zusammenführung von Fotografie und Typografie für eine neue Ästhetik im Konsumplakat. Allenbachs avantgardistische gestalterische Haltung zeigt sich klar in ihren Werbeplakaten für Astra-Fett oder Stalden-Crème.

Mit dem surrealen Plakat für die Astra Fett- und Ölwerke von 1935 sorgt Maja Allenbach für Aufsehen. Die inhaltliche Botschaft vermittelt sich klar: Durch den Gebrauch von Astra-Fett wird aus dem schwebenden Säugling ein selbstbewusst schreitender junger Mann. Aber auch die klassische Rollenverteilung der Zeit widerspiegelt sich – es richtet sich der Appell klar an die Mütter.

Der Originalentwurf «Astra hilft sparen» von Maja Allenbach, welcher vermutlich nicht umgesetzt wurde, fand letztes Jahr erfreulicherweise Eingang in die Sammlung.

Donald Brun

Aushangdatum
1943

Coop Kaffee – preiswert und gut

Viktor Rutz

Aushangdatum
1939

Floralp Butter am besten

anonym

Aushangdatum
1937

Tobler Cacao – Die billigste Volksnahrung

Donald Brun

Aushangdatum
1948

Bell

Atelier Eidenbenz / Willi Eidenbenz

Aushangdatum
1958

L. Wyler

Aushangdatum
1940

Crest Pfeifen

anonym

Aushangdatum
1933

Hero Conserven Lenzburg

Donald Brun

Aushangdatum
1944

Erika Pudding

Hans Aeschbach

Aushangdatum
1952

Hero Lenzburg – neue Sorte

Fritz Bühler

Aushangdatum
1938

Brot gibt Kraft

Atelier Eidenbenz / Hanspeter Rolly

Aushangdatum
1954

Usego Speisefett – schmackhaft und ausgiebig

Maja Allenbach

Aushangdatum
1945

Stalden Konserven

Jules Glaser

Aushangdatum
1947

Franck Aroma

Viktor Rutz

Aushangdatum
1944

Frisco – Tiefgekühlt

Advico AG / Mario Trüb

Fotograf
Kurt Staub

Aushangdatum
1967

Jaffa

Donald Brun

Aushangdatum
1957

Maggi Steinpilzsuppe

Maja Allenbach

Aushangdatum
1935

Mamans, faites votre cuisine à la graisse d'arachide Astra

Wäspi

Aushangdatum
1945

Mis Bachme Chäsli!

Viktor Rutz

Aushangdatum
1944

Bigrement bon

Viktor Rutz

Aushangdatum
1942

Mahalla

Herbert Leupin

Aushangdatum
1944

Suchard – Milka

Numa Rick

Aushangdatum
1937

Franck Aroma – Cichorie

Maja Allenbach

Aushangdatum
1936

Speisefett Astra – Für alles – Mit garantiert 10% eingesottener Butter

Walter Sigg

Aushangdatum
1953

Usego – Jubiläums Kaffee

Martin Peikert

Aushangdatum
1944

Händ ihr au Roco Confi? (Plakatentwurf)

anonym

Aushangdatum
1944

Co-op

Atelier Eidenbenz / Hermann Eidenbenz

Aushangdatum
1950

Bell Mortadella

Viktor Rutz

Aushangdatum
1947

Stalden

Fritz Meyer

Aushangdatum
1954

Frutta Hero Lenzburg

Franz Gygax

Aushangdatum
1949

Gerber Gala – Doppelrahm Käse

Plakatsammlung Museum für Gestaltung Zürich

Die Plakatsammlung des Museum für Gestaltung Zürich, gehört weltweit zu den umfangreichsten und bedeutendsten Archiven dieser Art. Rund 350'000 Objekte, davon etwa 120'000 inventarisiert, dokumentieren die schweizerische und internationale Geschichte des Plakats von ihren Anfängen Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Die Sammlung umfasst politische, kulturelle und kommerzielle Plakate. Ihre Vielfalt in historischer, thematischer und geografischer Hinsicht ermöglicht sowohl eine Tour d’Horizon der Plakatkunst als auch den Blick in ein visuelles Archiv der Alltagswelt. Ein Teil der Sammelobjekte ist bereits über einen Online-Katalog recherchierbar: www.emuseum.ch Dieser wird kontinuierlich erweitert.

 
Rechte

Die Bilder dieser Online-Ausstellung sind Teil des digitalen Katalogs der Plakatsammlung des Museum für Gestaltung Zürich und dienen ausschliesslich der Illustration. Jede Verwendung zugunsten Dritter – Veröffentlichung der Bilder oder sonstige kommerzielle Nutzung – ist ohne Erlaubnis der Rechteinhaber nicht zulässig. Informationen zur Bestellung von Bildvorlagen: sammlungen@museum-gestaltung.ch