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Spiel und Ernst – Kinder im Plakat

Kinder und Jugendliche sind ein häufiges Motiv in Plakaten unterschiedlichster Kategorien. Im Verlauf der Jahre zeigen die Plakate auf, wie sich ihre Darstellung wandelt und widerspiegeln damit eine veränderte Rolle des Kindes bzw. der Jugendlichen in der Gesellschaft.
Bei Werbeplakaten für ein Hilfswerk, insbesondere bei Spendenapellen, wird besonders häufig mit Kindergesichtern geworben. Die Unschuld und Fragilität von Kindern wird gezielt genutzt, um Mitleid zu erwecken und auf diese Weise Erwachsene als Zielgruppe anzusprechen.
Bei Konsumplakaten, die z.B. Süssigkeiten oder Kindermode bewerben, werden die Jugendlichen durch die Identifikationsfiguren direkt oder indirekt, über ihre Eltern, zum Kauf animiert. In den Tourismusplakaten tauchen häufig Kindergesichter auf, um Aufbruch, Frische, Authentizität aber auch Familienglück zu vermitteln.

Kinder im Plakat früher und heute: Mehr dazu erfahren Sie in dem kurzen Interview mit Frau Nico Lazúla Baur, Dokumentarin Plakatsammlung im Museum für Gestaltung.

Wie haben sich Gestaltung und Strategien im Plakat über die Jahre hinweg verändert?
Die Gestaltungsansätze im Plakat haben sich seit den 1920er-Jahren bis heute kontinuierlich von einem individuellen gestalterischen Zugriff wegbewegt. Heute sind es meist Werbeagenturen, die die grossangelegten Kampagnen verantworten.
Zudem wird kaum noch illustrativ gearbeitet, die Fotografie nimmt einen immer wichtigeren Stellenwert ein.

Wie sieht die Darstellung von Kindern in früheren Plakaten aus und wie sind die heutigen Strategien?
Produkte wie Brot, Schokolade, Konfitüre oder Pudding werden auf Plakaten bis in die 1950er-Jahre gerne mit Kindern beworben. In diesen historischen Darstellungen sind die Kinder auf sich bezogen, ins Spiel versunken und bleiben klar in ihrer Rolle als ein von den Erwachsenen abhängiges Kind.
In zeitgenössischen Plakaten sind die obengenannten Produkte eher selten auf Plakaten anzutreffen.
Insbesondere in Modeplakaten jüngeren Datums treten Kinder und Jugendliche als unabhängige, eigenständige Personen, als junge «Mannequins» auf und sprechen die Betrachtenden selbstbewusst an.
Kulturinstitutionen verführen uns in der hier präsentierten Auswahl mit atmosphärischen Bildern, die die eigene Kindheit anklingen lassen.

Was hat es mit den drei vorgestellten Entwürfen «Nehmt die Kinder mit» auf sich? Wieso gibt es davon kein realisiertes Plakat?
Den Kindern und ihrem Wohl wird in der Kriegszeit eine gesteigerte Aufmerksamkeit geschenkt. In diesen Jahren konzentriert sich die Tourismusbranche auf Reisen im eigenen, kriegsverschonten Land. Seit 1935 führt die Schweizerische Verkehrszentrale einen Wettbewerb für Tourismusplakate durch, 1944 steht dieser unter dem Motto «Nehmt die Kinder mit». In den Jahren der geistigen Landesverteidigung wird wieder ein traditioneller, illustrativer Ansatz bevorzugt, um sich von der internationalen Avantgarde der Nachbarländer und ihrem grafisch-fotografischen Zugriff zu distanzieren. In der Ausschreibung wird sogar explizit darauf hingewiesen, dass Lösungen mit Fotomontagen zwar nicht ausgeschlossen, aber auch nicht wirklich erwünscht sind. Keiner der 1944 eingereichten Entwürfe kann die Jury letztlich aber so begeistern, dass sie ihn als Plakat drucken lassen.

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Fritz Bühler
Aushangdatum 1938
Brot gibt Kraft
Viktor Rutz
Aushangdatum 1944
Bigrement bon
 
Viktor Rutz
Aushangdatum 1944
Roco-Confiture
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Viktor Rutz
Aushangdatum 1947
Stalden
 
BETC Luxe
Aushangdatum 2017
Evian – Live young – Please recycle
 
 
Anonym
Aushangdatum 1932
Helvetia – Backpulver – Pudding Pulver – Crème Pulver
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Viktor Rutz
Aushangdatum 1934
Schaffhauser Wolle
 
Hennes & Mauritz
Aushangdatum um 1998
H & M
 
Hugo Laubi
Aushangdatum 1926
Bally Kinderschuhe
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United Colors Communication / Salvatore Gregorietti
Foto: Oliviero Toscani
Aushangdatum 1998
United Colors of Benetton.
Atelier Ursula Hiestand / Ursula Hiestand, Barbara Strahm
Foto: François Trog
Aushangdatum 1985
ABM – ABM, für die Kleinen ganz gross!
 
Studio Prisunic
Aushangdatum um 1970
Fil à tricoter en pure laine vierge 
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3C Corporate Communications Consulting
Aushangdatum 2004
Erste Freunde. In den Kinderkrippen von Zürich.
Margarete Lipps
Aushangdatum 1959
Pro Juventute
 
Anonym
Aushangdatum 2006
Verdammt nah dran. Die Mütter- und Väterberatung der Stadt Zürich.
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Spinas Gemperle
Aushangdatum 2008
Caritas – Alle 5 Sekunden reisst der Hunger ein Kind aus dem Leben.
Viktor Rutz
Aushangdatum 1952
Pro Juventute – 1912-1952
Thomas Gfeller
Foto: Corina Flühmann
Aushangdatum 2012
Krebsliga – Sprechen Sie mit Ihren Kindern über Ihre Krankheit?
 
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Atelier Ursula Hiestand / Ursula Hiestand
Aushangdatum 1992
Vertrauen statt Fremden – Heks – Hilfswerk der evangelischen Kirchen der Schweiz
 
Alois Carigiet
Aushangdatum 1950
Pro Juventute
 
By Heart Ventures
Aushangdatum 1999
Handeln von Herzen. Heks
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blvdr création / Silvia Francia
Foto: Yves Leresche
Aushangdatum 2005
Allers Retours – De Ödon von Horváth – La Comédie Genève
Anonym
Aushangdatum 2019
Dinge, die mir sofort den ganzen Tag ruinieren. Theater der Künste 
Daniel Kunzi
Bildquelle: Jean Mohr
Aushangdatum 2005
Le train du Sud – Théâtre St Gervais Genève
 
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Charles Kuhn
Aushangdatum 1944
Nehmt die Kinder mit! (Plakatentwurf)
Fritz Krumenacher
Aushangdatum 1944
Nehmt die Kinder mit! (Plakatentwurf)
Donald Brun
Aushangdatum 1944
Nehmt die Kinder mit! (Plakatentwurf)
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Walter Herdeg
Foto: Albert Steiner
Aushangdatum 1933
St. Moritz
M & C Saatchi
Illustration: Jean Luc Bozzoli
Aushangdatum 2010
La Plage Publique des Eaux Vives 
Fredy Hilber
Foto: Andreas Pedrett
Aushangdatum 1950
St. Moritz

Plakatsammlung Museum für Gestaltung Zürich

Die Plakatsammlung des Museum für Gestaltung Zürich, gehört weltweit zu den umfangreichsten und bedeutendsten Archiven dieser Art. Rund 350 000 Objekte, davon etwa 120 000 inventarisiert, dokumentieren die schweizerische und internationale Geschichte des Plakats von ihren Anfängen Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Die Sammlung umfasst politische, kulturelle und kommerzielle Plakate. Ihre Vielfalt in historischer, thematischer und geografischer Hinsicht ermöglicht sowohl eine Tour d’Horizon der Plakatkunst als auch den Blick in ein visuelles Archiv der Alltagswelt. Ein Teil der Sammelobjekte ist bereits über einen Online-Katalog recherchierbar: www.emuseum.ch Dieser wird kontinuierlich erweitert.

 

Rechte

Die Bilder dieser Online-Ausstellung sind Teil des digitalen Katalogs der Plakatsammlung des Museum für Gestaltung Zürich und dienen ausschliesslich der Illustration. Jede Verwendung zugunsten Dritter – Veröffentlichung der Bilder oder sonstige kommerzielle Nutzung – ist ohne Erlaubnis der Rechteinhaber nicht zulässig. Informationen zur Bestellung von Bildvorlagen: sammlungen@museum-gestaltung.ch