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ePoster Gallery 1/2021

Genussmittel

Die Ausstellung veranschaulicht, wie Produkte in historischen Plakaten ins Licht gerückt und beworben wurden. Sie lässt uns über den Begriff «Genussmittel» im Allgemeinen, aber auch über seine unterschiedliche Interpretation in verschiedenen Epochen und Kulturräumen nachdenken.

Frau Nico Lazúla, Dokumentarin Plakatsammlung im Museum für Gestaltung, erklärt in einem kurzen Interview, wie sich die Definition der Genussmittel entwickelt hat und zeigt die Historie des Kaffeekonsums auf. Insbesondere die Plakate von Maja Allenbach haben bei dieser Ausstellung Pionier-Charakter.

Wann wird von Genussmitteln gesprochen?

Die Definition der Begriffe Genuss-, Rausch- und Suchtmittel ist sowohl kulturell als auch weltanschaulich-religiös beeinflusst und unterscheidet sich je nach soziokulturellem Kontext und historischer Epoche. Tabak beispielsweise gilt erst seit den 1950er-Jahren in Europa als Suchtmittel, während Jahrhunderten wurde er als Genuss- oder gar als Heilmittel angesehen. Ein anderes Beispiel: Bier hatte bis in die jüngste Vergangenheit als «flüssiges Brot» einen wichtigen Status neben dem Brot.

Seit wann wird in Europa Kaffee getrunken bzw. warum hat sich der Konsum von Kaffeeersatz so stark verbreitet?

Reiner Bohnenkaffee wurde in Europa erst seit dem sogenannten «Wirtschaftswunder» der 1950er-Jahre zum alltäglichen Produkt. Vorher war es ein teures, exotisches Luxusgut, dessen Konsum im bäuerlichen Kontext als unangemessen galt. Bis zum 2. Weltkrieg wurde mehr als die Hälfte des Kaffees in Form von Kaffeeersatzprodukten konsumiert.

 

Neben Importschwierigkeiten, der Postulierung der Schädlichkeit des Kaffees und der hohen Preise für arabischen Kaffee führte auch die wachsende Anzahl an ArbeiterInnen und ihre stark veränderten Lebensumstände zu einer massiven Ausbreitung der Kaffeeersatz-Industrie. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren Kartoffeln, Branntwein und Kaffee resp. Kaffeeersatz die klassische Trilogie einer ärmlichen, aber rasch verbreiteten ArbeiterInnen-Nahrung und halfen langen Arbeitszeiten zu überwinden.  Um die Volksgesundheit zu fördern, wurden sogenannte «Gesundheitskaffees» wie Malz-, Roggen- oder Feigenkaffee eingeführt.

 

Welche der vorgestellten Plakate haben einen speziellen Pionier-Charakter?

Ein spezielles Augenmerk darf auf die Plakate von Maja Allenbach geworfen werden. Sie ist heute leider weitgehend unbekannt, ist aber eine frühe Pionierin des Fotoplakats in der Schweiz. Maja Allenbach sorgt mit der Zusammenführung von Fotografie und Typografie für eine neue Ästhetik im Konsumplakat. Allenbachs avantgardistische gestalterische Haltung zeigt sich klar in ihren Werbeplakaten für Astra-Fett oder Stalden-Crème.

Mit dem surrealen Plakat für die Astra Fett- und Ölwerke von 1935 sorgt Maja Allenbach für Aufsehen. Die inhaltliche Botschaft vermittelt sich klar: Durch den Gebrauch von Astra-Fett wird aus dem schwebenden Säugling ein selbstbewusst schreitender junger Mann. Aber auch die klassische Rollenverteilung der Zeit widerspiegelt sich – es richtet sich der Appell klar an die Mütter.

Der Originalentwurf "Astra hilft sparen" von Maja Allenbach, welcher vermutlich nicht umgesetzt wurde, fand letztes Jahr erfreulicherweise Eingang in die Sammlung.

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Coop Kaffee – preiswert und gut
Gestaltung: Donald Brun
Aushangsdatum: 1943
Floralp Butter am besten
Gestaltung: Viktor Rutz
Aushangsdatum: 1939
 
Tobler Cacao – Die billigste Volksnahrung
Gestaltung: Anonym
Aushangsdatum: 1937
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Bell
Gestaltung: Donald Brun
Aushangsdatum: 1948
 
Gestaltung: Atelier Eidenbenz / Willi Eidenbenz
Aushangsdatum: 1958
 
 
Crest-Pfeifen
Gestaltung: L. Wyler
Aushangsdatum: um 1940
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Hero Conserven Lenzburg
Gestaltung: Anonym
Aushangsdatum: 1933
Erika Pudding
Gestaltung: Donald Brun
Aushangsdatum: 1944
 
Hero Lenzburg – neue Sorte
Gestaltung: Hans Aeschbach
Aushangsdatum: 1952
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Brot gibt Kraft
Gestaltung: Fritz Bühler
Aushangsdatum: 1938
Usego Speisefett – schmackhaft und ausgiebig
Gestaltung: Atelier Eidenbenz / Hanspeter Rolly
Aushangsdatum: 1954
 
Stalden Konserven
Gestaltung: Maja Allenbach
Aushangsdatum: 1945
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Franck Aroma
Gestaltung: Jules Glaser
Aushangsdatum: 1947
Frisco – Tiefgekühlt
Gestaltung: Viktor Rutz
Aushangsdatum: 1944
 
Jaffa
Foto: Kurt Staub
Gestaltung: Advico AG / Mario Trüb
Aushangsdatum: 1967
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Maggi Steinpilzsuppe
Gestaltung: Donald Brun
Aushangsdatum: 1957
Mamans, faites votre cuisine à la graisse d'aranchie Astra
Gestaltung: Maja Allenbach
Aushangsdatum: 1935
Mis Bachme Chäsli!
Gestaltung: Wäspi
Aushangsdatum: 1945
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Bigrement bon
Gestaltung: Viktor Rutz
Aushangsdatum: 1944
 
Mahalla
Gestaltung: Viktor Rutz
Aushangsdatum: 1942
 
Suchard – Milka
Gestaltung: Herbert Leupin
Aushangsdatum: 1944
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Franck Aroma – Cichorie
Gestaltung: Numa Rick
Aushangsdatum: 1937
 
Speisefett Astra – Für alles – Mit garantiert 10% eingesottener Butter
Gestaltung: Maja Allenbach
Aushangsdatum: 1936
 
Usego – Jubiläums Kaffee
Gestaltung: Walter Sigg
Aushangsdatum: 1953
 
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Händ ihr au Roco Confi? (Plakatentwurf)
Gestaltung: Martin Peikert
Aushangsdatum: um 1944
Co‑op
Gestaltung: Anonym
Aushangsdatum: 1944
Bell Mortadella
Gestaltung: Atelier Eidenbenz / Hermann Eidenbenz
Aushangsdatum: 1950
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Stalden
Gestaltung: Viktor Rutz
Aushangsdatum: 1947
Frutta Hero Lenzburg
Gestaltung: Fritz Meyer
Aushangsdatum: 1954
Gerber Gala – Doppelrahm Käse
Gestaltung: Franz Gygax
Aushangsdatum: 1949

 

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